Die Schweiz ist, bedingt durch ihre alpine Lage, ein ausgesprochenes Tunnelland: Im Nationalstrassennetz durchqueren über 220 Tunnelanlagen Berge und Täler, umgehen Pässe und führen den Verkehr unter statt über die Gipfel. Für die meisten Fahrenden ist das nur ein kurzer, dunkler Abschnitt zwischen zwei Landschaften. Dahinter steckt jedoch ein ganzes System aus Bautechnik, Elektronik und Organisation, das dafür sorgt, dass eine Tunnelfahrt im Regelfall unauffällig bleibt — und im Ernstfall Leben schützt. Ohne diese Röhren müssten viele Routen über schmale, wetteranfällige Passstrassen führen, mit spürbaren Nachteilen für Sicherheit und Verkehrsfluss.

Wie wichtig dieses System ist, zeigte sich schmerzhaft im Oktober 2001, als ein schwerer Brand im Gotthard-Strassentunnel elf Menschenleben forderte und die Risiken eines einröhrigen, im Gegenverkehr befahrenen Tunnels drastisch vor Augen führte. In der Folge wurden die Sicherheitsanforderungen an Schweizer Nationalstrassentunnel spürbar verschärft: Das ASTRA passte seine Tunnelrichtlinien an internationale Standards an, bestehende Anlagen erhielten zusätzliche Fluchtwege und modernere Überwachungstechnik, und für stark befahrene Röhren wurden zweite Tunnelröhren geplant oder bereits gebaut. Seither gilt Tunnelsicherheit nicht mehr als Randthema der Bauplanung, sondern als eigenständige, laufend weiterentwickelte Aufgabe.

Sicherheitselemente im modernen Tunnel

Wer heute durch einen Schweizer Nationalstrassentunnel fährt, passiert meist unbemerkt eine ganze Reihe von Einrichtungen, die auf den ersten Blick unscheinbar wirken, im Ernstfall aber exakt aufeinander abgestimmt zusammenspielen sollen:

Keines dieser Elemente wirkt für sich allein. Erst im Zusammenspiel aus Erkennung, Alarmierung, Rauchabzug und Fluchtweg entsteht jenes Sicherheitsnetz, das im Ernstfall Zeit gewinnt — und genau diese Zeit rettet im Zweifel Leben. Für das ASTRA als zuständige Bundesstelle bedeutet das einen dauerhaften Aufwand: Anlagen müssen regelmässig gewartet, getestet und an neue Vorgaben angepasst werden.

Ein- oder zweiröhrig: ein entscheidender Unterschied

Ob ein Tunnel eine oder zwei Röhren besitzt, ist keine blosse Detailfrage der Bauweise, sondern verändert das Sicherheitsniveau erheblich. In einröhrigen Tunneln teilen sich beide Fahrtrichtungen denselben Raum, es herrscht also echter Gegenverkehr — mit allen Risiken, die ein Zusammenstoss entgegenkommender Fahrzeuge im engen Tunnelquerschnitt mit sich bringt. Besondere Vorsicht, ausreichend Abstand und der Verzicht auf riskante Überholmanöver sind hier unverzichtbar.

Zweite Röhren trennen die Fahrtrichtungen dagegen konsequent voneinander. Der Gegenverkehr entfällt, Querschläge verbinden beide Röhren als zusätzliche Fluchtmöglichkeit, und im Ereignisfall kann die unbeschädigte Röhre als sicherer Rückzugsraum dienen. Genau deshalb treibt das ASTRA den Bau zweiter Röhren an mehreren stark befahrenen Achsen voran — ein Umbau, der spürbar zur höheren Sicherheit im gesamten Nationalstrassennetz beiträgt, auch wenn er aufwendig ist und einen langen planerischen Vorlauf verlangt.

„Der beste Notausgang ist der, den man vorher schon bewusst wahrgenommen hat.“
Schematische Darstellung eines Tunnelportals mit Lüftungsanlage und Überwachungssensorik.

Richtig verhalten im Tunnel

Die beste Technik ersetzt nicht das richtige Verhalten am Steuer. Ein paar einfache Regeln erhöhen die Sicherheit für alle Fahrenden spürbar:

Die meisten dieser Regeln sind keine Überraschung — entscheidend ist, sie auch dann zu befolgen, wenn nichts Ungewöhnliches passiert. Wer sich schon bei der Einfahrt kurz orientiert, wo der nächste Notausgang liegt, gewinnt im Ernstfall wertvolle Sekunden.

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